Sonntag, 7. Juni 2009

Über meine Kunst



Zentrales Thema des Kunstschaffens von Markus Müller, ist immer wieder der Mensch in unserer modernen Welt mit all seiner Verletzlichkeit. In seiner neue Serie zeigt er dies im Spannungsfeld Computer- und Informationstechnologie.

Zwangsweise hineingeboren in eine hochtechnologisierte Gegenwart, in der (fast) alles computergesteuert und überwacht ist, sucht das Individuum nach Möglichkeiten, eigenständig und selbstverantwortlich zu existieren. Es sieht sich jedoch einer Welt gegenüber, die regelnd und steuernd bis ins Intimste eingreift und Einfluss nimmt, den Einzelnen in hohem Maße unterdrückt, die ach so freie Entscheidung nimmt, ihn überwacht, steuert, reglementiert.Erzwungene Abhängigkeiten dieser computer-technologisierten Welt liefern ihn aus und lassen kaum Handlungsspielräume, so dass sich Befindlichkeitsstörungen ergeben.Symbolisch gehöht liegt das menschliche Opferlamm nackt und bloß auf dem selbst errichteten Scheiterhaufen. Elektroschrott, oder auch zu Müll gewordene, überflüssige Information auf nutzlosen Speicherchips binden und fesseln ihn an die selbst erzeugten Auswirkungen des eigenen Handelns. Die Frage der Schuldigkeit steht im Raum und wird negiert. Der einzelne sieht nicht seine Beteiligung am Ganzen.Nackt und bloß, unschuldig, ausgeliefert, und doch provokativ, den eigenen Sexus befriedigend, sucht das Individuum nach Kontakt in einer sich entmenschlichenden Gesellschaft. Sucht allerdings nicht mehr nur nach menschlichem Kontakt, sondern vielmehr nach virtuellem – der seinerseits Abhängigkeiten erzeugt, fesselt, bindet. Verzweiflung entsteht, ob der Tatsache oder Erkenntnis, dass ein Verstehen, ja nicht einmal mehr ein Verarbeiten der schieren Menge des Inputs dieser schnelllebigen und nach Information lechzenden Zeit, nicht mehr möglich ist. Dies führt den Einzelnen zu einer Eremitage inmitten der fast lückenlos überwachten Gesellschaft und lässt Ängste, Depressionen, Psychosen wachsen. Was Chance ist für alle, kann für den Einzelnen den Untergang bedeuten. Die Gesellschaft verlässt sich auf Technologien ohne sich der implementen Gefahren bewusst zu werden.Die Frage steht im Raum, ob der moderne Mensch der westlichen Welt (und in zunehmendem Maße auch der restlichen) noch in der Lage wäre ohne diese Computerisierung zu existieren.(…)

Die fotorealistische Malweise, die Markus Müller als airbrush-gestützte Acrylmalerei ausführt, durch surrealistische und symbolistische Elemente ergänzt und erweitert, führt zu einer dramatischen Darstellung, die das durch diese Zeit geprägte Individuum intuitiv begreift. Oberflächlichkeit und Wertschätzung von Äußerlichkeiten widerspiegeln sich in dieser perfektionistischen Ausführung, die auf den ersten Blick nicht einmal Eigenheiten, Individualismus des Malenden offenbart. Allerdings entpuppt sich die Tiefgründigkeit der Malerei im genaueren, dem analytischen Blick. Es ist sehr wohl ein persönlicher Duktus erkennbar, der dadurch entsteht, dass dwer Künstler trotz Spritzpistolenmalerei (fast) alles frei Hand entstehen lässt und Strukturen kratzt, schabt und mittels verschiedenster Radierwerkzeuge hineinarbeitet. 

Was glatt, gelackt , perfektionistisch und dadurch fast oberflächlich erscheint, wiederspiegelt die Betrachtungsweise einer schnelllebigen, oberflächlichen, auf Äußerlichkeiten bezogenen Gesellschaft und entpuppt sich als aufwändig, detailistisch, manuell erzeugt, analytisch, tiefgründig, hintersinnig.

Kunst und Airbrush - Ein Versuch der Abgrenzung von


Man hat es schwer in der Kunstwelt, gibt man zu, man beschäftige sich mit der Airbrushmalerei. Airbrush ein Wort wie Teufelswerk. "Airbrush", hat mit Kunst doch nicht zu tun - Ist allerhöchstens Kunsthandwerk. (Airbrush- wörtlich: Luftpinsel, bezeichnet ein technisches Gerät um Farbe feinzersäubt auf einen Untergrund zu bringen und nicht, wie viele irrtümlich glauben, eine bestimmte esotherische Lebenseinstellung)

Hat man sich entschieden, mit diesem Malgerät zu arbeiten, wird man automatisch in die Gilde der Lackierer eingestuft (Finanzamt, Galeristen...). Egal welche Inhalte man vermittelt, egal auf welchem Handwerklichen und Inhaltichen Niveau.

Wirft einer einen farbgetränkten Lappen an die Wand, ist er ein Künstler. Tut einer Erbsen in ein Glas und stellt dies aus , so ist er ein Künstler. Verpappt einer beliebige Materialien miteinander, ohne jeden Sinn und Hintergrund, so ist das Kunst. (Die Liste der Banalitäten und Oberflächlichkeiten in der Kunstszene lässt sich beliebig erweiten)

Transportiert einer Informationen, stellt sich sozialen oder politischen Problemen und vermittelt diese in Bildform,  so ist auch dies Kunst. Anerkanntermaßen. Nur bitte nicht zu konkret werden, immmer schön geheimnisvoll und für den Laien fast unleserlich bleiben. (scraching the surface-Immer schön Oberflächlich bleiben, die Tiefgründigkeit interpretieren mittels Phantasie dann die Betrachter und Kunstkritiker-denn ein echtes Kunstwerk wird nicht vom Künstler erklärt!)

Jedoch:

WEHE du benutzt um Kunst zu schaffen die Spritzpistole! Dann ist das keine Kunst mehr (egal welche Inhalte du vermittelst) 

Zitat, als ich mich um eine Ausstellung in einer rennomierten Klinik bewarb: "Sie machen ja Airbrush!" (leicht angewiedert, ohne meine Arbeiten je live gesehen zu haben, ohne sich die Zeit genommen zu haben , die Inhalte auf sich wirken zu lassen. )

Ich benutze die Airbrushpistole als Stilmittel, als Ausdrucksform, als Mittel zum Zweck. Genauso wie ich absichtlich im fotorealistischen Bereich male (zumindest die Serie Homo Informationalis). So wie ein anderer sich entscheidet den Pinsel zu benutzen, oder einen Schwamm oder Lappen oder Besen oder....

Die Aussage : "Sie machen ja Airbrush" mutet schon ein wenig lustig an: Ist die Airbrush doch letztendlich ein Malgerät (wie eben der Pinsel). Und ich mache nicht Airbrush! Oder bin ich vielleicht Hersteller von Spritzgeräten?                   Ein anderes mal sagte ein Galerist zu mir: "Airbrush stellen wir nicht aus" (interessant hier auch der Pluralis Majestatis). Jaaa, meine Pistolen wollte ich auch nicht zum Ausstellen anbieten, die brauch ich ja zum Arbeiten. Auch dieser traf diese Aussage ohne eines meiner Werke überhaupt in Augenschein genommen zu haben. Oberflächlichkeit pur!

(...)